Unter Pinguinen
IG Halle in der Alten Fabrik Rapperswil
22. Februar bis 1. April 2002
Wo der Mensch nur Zaungast ist
Themenwochen Unter Pinguinen mit einer Fotoausstellung von Bruno P. Zehnder
Unter dem Patronat der Nationalen Schweizerischen UNESCO-Kommission präsentiert die IG Halle in Rapperswil die Themenwochen Unter Pinguinen. Kern des Projektes ist eine Ausstellung mit Bildern des 1997 verstorbenen Bruno Pinguin Zehnder. Auf dem Programm stehen diverse Vorträge, Kleinkunstabende und Multivision-Shows.
Projektleitung: Charly Hochstrasser und Charlotte Schneider
Als Bruno P. Zehnder sechs Jahre alt war, baute er im elterlichen Garten in Bad Ragaz einen Pferch mit einem kleinen Teich in der Mitte. Er hoffte, das neue Gewässer würde seine Eltern ermutigen, ihm einen Pinguin zu schenken. Erst 1975 oder 24 Jahre später sollte es zur ersten Annäherung kommen, als Zehnder per Schiff in die Antarktis reiste. „Ich hörte das Geschrei aus Tausenden Kehlen. Es war wie eine religiöse Erfahrung“, erinnerte er sich später an seine erste Begegnung mit frei lebenden Pinguinen.
Berufung am Ende der Welt gefunden
Innert eines Augenblicks wurde aus dem Globetrotter, Sprachlehrer und Dressman ein autodidaktisch arbeitender Pinguin-Fotograf. Während seiner 21 Reisen in die Antarktis lernte er mit den schwierigen Licht- und Wetterverhältnissen umzugehen und wurde Mitglied der Kaiserpinguin-Kolonie bei der russischen Forschungsstation Mirny.
Ende der 80er-Jahre gelang Zehnder der Durchbruch als Fotograf. 1989 kaufte das New Yorker Museum of Modern Art seine Bilder an. 1990 war er BBC-Fotograf des Jahres, 1996 erhielt er in den USA die Auszeichnung „Best Picture of the Year“. Seine zunehmende Popularität, die auch in der Produktion von Kalendern gründete, setzte er ein für den Schutz der Antarktis und ihrer Bewohner. Wenn das Lachen der Fernsehzuschauer über den humorvollen und schrägen Pinguin-Mann verstummt war, wies er jeweils hin auf die Zerbrechlichkeit des Ökosystems am Südpol. Für sein Engagement wurde er ausgezeichnet mit dem Umweltschutz-Preis der UNO.
1997 packte Bruno P. Zehnder ein letztes Mal die Koffer für eine Expedition in die Antarktis. Ein Bild fehlte ihm noch: Er wollte dokumentieren, wie die kleinen Kaiser im antarktischen Winter aus ihren Eiern schlüpfen.
Erfroren im Blizzard
Trotz Sturmwarnung verliess er am Mittag des 7. Juli 1997 die Forschungsstation Mirny. Wenig später wurde er über Funk angewiesen, sofort zur Station zurückzukehren, da sich das Wetter verschlechterte. Ausgerückte Russische Suchtrupps kehrten erfolglos zurück. Nach einer dramatischen Odysee durch Sturm, Eis und Schnee erfror Zehnder schliesslich unweit der Station.
Die Ausstellung der IG Halle dokumentiert Arbeit und Leben Bruno P. Zehnders. Eine Auswahl seiner preisgekrönten Bilder ist zu sehen, aber auch seine weniger bekannte mystische Seite. Eine Bildserie dokumentiert den Lebenszyklus der Kaiserpinguine, eine andere zeigt die acht subantarktischen und antarktischen Pinguinarten. Ausgestellt sind auch Ausrüstungsgegenstände, darunter Zehnders Kamera und der berühmte, mit vielen Emblemen versehene Anorak. Ausserdem können die Ausstellungsbesucher Urs Schnells DOK-Film „Der Pinguin Mann“ sehen.
Zur Ausstellung hat artefix kultur und schule einen pädagogischen Leitfaden herausgegeben, der eine Stufen gerechte Auseinandersetzung mit den Themen „Fotograf und Künstler“, „Abenteurer“, „Kaiserpinguine“ und „Engagement für die Antarktis“ ermöglicht.
Vorträge, Kleinkunst und Multivision-Shows
Die Ausstellung von Bruno P. Zehnder bildet den Kern der Themenwochen Antarktis. An fünf Wochenenden im Februar und März präsentiert die IG Halle ein breites Spektrum an Vorträgen, Kleinkunst und Multivision-Shows. Auftakt (23. Februar, 19 Uhr, Aula Hochschule Rapperswil HSR) und Abschluss (24. März, 19 Uhr, Aula HSR) der Veranstaltungsreihe macht der Geograf Jürg Schulthess mit seiner Multivision-Show „Antarctica“. Am 24. Februar (19 Uhr, Alte Fabrik) referiert der Biologe Ruedi Küng über den Lebensraum Antarktis. Weitere Referenten sind Benno Lüthi, Klemens Pütz, John Dornbierer, Matthias Bigler, Christian Schlüchter und Christine Reinke-Kunze. Am 2. März, 19 Uhr, sind die preisgekrönten Kabarettisten Andreas Thiel & Jean-Claude Sassine mit einer Szenischen Lesung nach Elke Heidenreichs „Am Südpol, denkt man ist es heiss“ in der Aula HSR zu Gast. Im gleichen Saal geben „The Singing Pinguins“ am 23. März, 19 Uhr, ein Acapella-Konzert.
Text: Martin Mühlegg / IG Halle
Anlässe in der Ausstellung UNTER PINGUINEN
Vernissage
Freitag, 22. Februar, 18.00 Uhr
Einführung: Hanspeter Gschwend
Multivisions-Show
Samstag, 23. Februar, 19.00 Uhr
Antarctica – Land am südlichen Ende der Welt
Jürg Schulthess, Geograf
Vortrag
Sonntag, 24. Februar, 19.00 Uhr
Lebensraum Antarktis – Eine erste Begegnung
Ruedi Küng, Biologe
Fachreferate
Freitag, 1. März, 19.00 Uhr
Forschungsprojekt Pinguin – Ein Schweizer Projekt
Benno Lüthi, Antarctic Research Trust
Mein Leben als Forscher – Einblicke in den Alltag
Dr. Klemens Pütz, Pinguinforscher
Szenische Lesung
Samstag, 2. März, 19.00 Uhr
Szenische Lesung – Am Südpol, denkt man ist es heiss
Buch von Elke Heidenreich
Inszeniert von Andreas Thiel & Jean-Claude Sassine
Podiumsdiskussion
Freitag, 8. März, 19.00 Uhr
Podiumsdiskussion
Politik / Umwelt / Tourismus – Zukunft der Antarktis
lic. jur. Evelyne Gerber, H.-U. Schlumpf, Dr. Roland Haudenschild, Benno Lüthi
Vortrag
Samstag, 9. März, 19.00 Uhr
Reisen in der Antarktis – Erlebnis und Abenteuer
John Dornbierer, Reiseveranstalter
Fachreferate
Samstag, 16. März, 19.00 Uhr
Gefrorene Zeit – Klimadaten aus Eiskernbohrungen
Matthias Bigler, Physiker
Eis und Stein – Glazeologie und Geologie
Prof. Dr. Christian Schlüchter, Geologe
Vortrag
Freitag, 22. März, 19.00 Uhr
Gestern / Heute / Morgen – Spuren in der Antarktis
Dr. Christine Reinke-Kunze, Journalistin / Autorin
Konzert
Samstag, 23. März, 19.00 Uhr
The Singing Pinguins – Acapella live
Matinée
Sonntag, 24. März, 11.00 Uhr
Ganz schön cool – Pinguine in der Werbung
Dr. Christine Reinke-Kunze, Journalistin / Autorin
Multivisions-Show
Sonntag, 24. März, 19.00 Uhr
Antarctica – Land am südlichen Ende der Welt
Jürg Schulthess, Geograf
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