VOLLER LEBEN
6. September – 8. November 2026
Ausstellung der IG Halle im Kunst(Zeug)Haus Rapperswil
Voller Leben oder voller leben? Die Ausstellung der IG Halle im Kunst(Zeug)Haus Rapperswil spricht von beidem; sie reicht von der Fülle menschlicher Erfahrung bis zur geschärften Wahrnehmung, vom Urelement Wasser bis zu möglichen unbekannten Lebensformen. Während das Wunder der Existenz materiellen Lebens auf dem Planeten zum Ausdruck kommt, mag die Ausstellung gleichzeitig eine Aufforderung sein, voller zu leben.
Im Sinne einer Kunst voller Leben präsentiert die Ausstellung der IG Halle die expressive Malerei von Regula Syz. Ihr 50 Jahre umspannendes Schaffen spiegelt eine tiefgreifende Auseinandersetzung mit der menschlichen Realität, gesellschaftlichen und spirituellen Fragen.
Martin Reukauf hingegen malt seit bald 20 Jahren ausschliesslich im Wald. Dort, wo Raum und Licht immer in Bewegung sind, stellt sich auf der Leinwand die Frage: Wie können wir der Vielfalt des Sichtbaren näher kommen?
Susanne Hauser weist in ihren Zeichnungen auf ungeahnte Möglichkeiten und Formen des Lebens hin, seien es zu entdeckende Planeten oder verborgene Wesen in den Tiefen der Ozeane. Gleichzeitig macht sie die Einzigartigkeit unseres Planeten bewusst, auf dem Leben existiert.
Das Lebenselement Wasser findet in seiner natürlich Form als Regen- oder Flusswasser unmittelbar Eingang in die Objekte und Installationen von Janeth Berrettini. Ihre Arbeitsweise beschreibt auch einen Weg, Wasser anders – mit mehr Achtung – zu sehen.
Strukturen des Lebendigen prägen das Werk von Haviva Jacobson: Ihre Zeichnungen und Installationen wachsen, gewissermassen organisch, aus einem absichtslosen Schaffensprozess, aufmerksamer Beobachtung und dem Experimentieren mit verschiedensten Materialien.
Kurator: Guido Baumgartner
Text: Judith Annaheim / IG Halle
Diese Ausstellung wird realisiert mit freundlicher Unterstützung von:
Kulturförderung Stadt Rapperswil-Jona
Kanton St.Gallen, Kulturförderung / Swisslos
Gönnerverein IG Halle
Asuera Stiftung
Kanton Glarus, Kulturförderung / Swisslos
Ortsgemeinde Rapperswil-Jona
Kanton Appenzell Innerrhoden / Innerrhoder Kunststiftung
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Expressive Malerei ist sowohl für Regula Syz als auch für Martin Reukauf mit Bewegung und kräftigen Pinselstrichen verbunden, bringt jedoch ganz unterschiedliche, ja fast gegensätzliche Inhalte auf die Leinwand. Regula Syz’ Werk ist dicht bevölkert von Figuren, menschlichen sowie tierischen Gesichtern, von Weltgeschehen, Träumen und Erzählungen. Ihr 50 Jahre umspannendes Schaffen spiegelt eine tiefgreifende Auseinandersetzung mit der menschlichen Realität, gesellschaftlichen und spirituellen Fragen.
Für Martin Reukauf hingegen ist seit 18 Jahren sein einziges Sujet und tägliches Gegenüber der Wald. Keines seiner Bilder malt er im Atelier. Auf dem umgebauten Fahrrad, beladen mit Staffelei, Leinwand und Ölfarbe sucht er den Ort auf, der ihn herausfordert. Verschiedene Phasen seines Schaffens haben ihn von der darstellenden über eine expressive Malweise mit dick aufgetragener Farbe bis zu den heutigen Bildern geführt, die von Transparenz und Weissraum leben. Immer mehr sieht er nicht Wald, sondern Farben, Licht, Kontraste, Rhythmus und Dynamik. In einem anderen Sinn als erwartet ist der Wald für ihn voller Leben: als fortlaufender Prozess, um die Wahrnehmung zu schärfen und der Vielgestaltigkeit des Sichtbaren näher zu kommen.
Eine Kunst voller Leben praktizieren sowohl Martin Reukauf als auch Regula Syz im Sinne der widerstreitenden Kräfte, die sie sichtbar machen. Einmal als spannungsvolle Komposition von Hell und Dunkel, von Farbe und Leerraum; einmal als figurative Darstellung des Erfahrungsspektrums zwischen Geburt und Tod. Wenn Regula Syz Blumen malt, mögen die Bilder an Kinderzeichnungen erinnern. Genau betrachtet, sind es – oft grossformatige – Farbkompositionen, ein Blühen oder Aufblühen in sich tragend, das im Kontrast zu dunkleren Tönen erst seine Schönheit, Verletzlichkeit und Tiefe zeigt.
Als Symbol für Werden und Vergehen versteht Susanne Hauser die Blume in ihrer Werkreihe „Flowers“, die sie den Benachteiligten und Unterdrückten der Gesellschaft widmet, insbesondere in Erinnerung an die frühe Glarner Textilindustrie. Die Zeichnungen sind in Kreise gefasst, eine heilsame Ganzheit andeutend. Ebenso trägt die Kreisform die umfangreiche Serie der „Planets“, jede der 53 Zeichnungen eine mögliche Version der Erde. Ausgehend von ihrem Interesse an Planeten und konkreten astronomischen Ereignissen, erforscht Susanne Hauser in dichten, farbigen Kugelschreiberstrichen die unerschöpfliche Vielfalt von Strukturen. Die Werkreihe weist auf ungeahnte Lebensformen hin und macht gleichzeitig die Einzigartigkeit unseres Planeten bewusst, auf dem Leben existiert.
Auch Haviva Jacobson zeichnet sich in Strukturen des Lebendigen hinein, verdichtet diese in feinen Linien, lässt sie wachsen, bis sie von einem bestimmten Rhythmus geprägt sind. Sie folgt einem starken Interesse an organischen Formen, sowohl sichtbaren wie etwa in der Pflanzenwelt als auch unsichtbaren im Innern des Körpers oder bei Denkvorgängen. Der offene, absichtslose Schaffensprozess selbst wird zum organischen Gebilde. Dazu gehört auch das Experimentieren mit verschiedensten Materialien wie Rost- und Eisenextrakten, Asche, Schellack oder Silberstift. Sich auf die Umgebung einzulassen, begleitet Haviva Jacobson auch in ihren Atelieraufenthalten, so etwa in der Slowakei, wo sich das Gefühl der mächtig und stetig strömenden Donau auf ihre Arbeitsweise übertrug. Daraus sind 10 Meter lange Bahnen aus Chinapapier mit unzähligen Schichten verdünnt fliessender Farbe entstanden.
Wasser als Lebensquelle findet in seiner natürlichen Form als Regen- oder Flusswasser unmittelbar Eingang in die Objekte und Installationen von Janeth Berrettini. Ganz ähnlich, wie Martin Reukauf Wald im Wald malt, macht Janeth Berrettini das Element Wasser, mit dem sie sich seit einigen Jahren befasst, zu ihrem künstlerischen Medium. Unter anderem mit einer Installation mit Limmatwasser im Helmhaus Zürich, die von Besuchern als Kraftort erlebt wurde, regt sie an, Wasser anders zu sehen und zu schätzen. In ihren neusten Arbeiten setzt sie frische weiche Tonplatten dem Regen aus, sodass die Tropfen einzigartige Landschaften formen. Verschiedene Werke veranschaulichen auch den Kreislauf des Wassers, indem sie dieses verdunsten oder versickern lassen.
Anlässe in der Ausstellung VOLLER LEBEN
Vernissage
Sonntag, 6. September, 11.30 Uhr
Einführung: Guido Baumgartner, Co-Präsident und Kurator IG Halle
Mit anschliessendem Apéro
Ganzer Tag freier Eintritt
Kindervernissage mit artefix kultur und schule
Sonntag, 6. September, 11.30 Uhr
Für Kinder von 5–15 Jahren. Wir begeben uns auf eine Entdeckungstour durch die neue Ausstellung VOLLER LEBEN und setzen diese Kunstbegegnung im Atelier in ein eigenes Werk um.
Die Kindervernissage findet parallel zur öffentlichen Vernissage für Erwachsene statt. Die Kinder besuchen die Kindervernissage ohne Begleitung von Erwachsenen. Sie können von 12.30 bis 13.00 Uhr im Atelier des Kunst(Zeug)Haus abgeholt werden (Tor 13 im Osten des Gebäudes).
Kostenlos. Keine Anmeldung erforderlich.
Treffpunkt um 11.30 Uhr beim Eingang des Kunst(Zeug)Haus.
Buchvernissage Regula Syz: Raben unter uns
Samstag, 19. September, 18.30 Uhr
Während der Kulturnacht Rapperswil-Jona und im Rahmen der Ausstellung VOLLER LEBEN stellen wir die neue Publikation von Regula Syz vor.
Ein Schwerpunkt in Regula Syz’ Malerei sind Tiere allgemein, jedoch ganz besonders der Rabe. Über gut 25 Jahre hinweg bringt die Künstlerin in ihren Bildern verschiedene Aspekte seines Wesens zum Ausdruck und greift bewusst die vielen positiven Bedeutungen auf, die dem Raben in mehreren Kulturen zugeschrieben werden – von Nordeuropa über Indien bis nach Japan. Regula Syz verdichtet in ihren Werken Mythologie, eigene Beobachtungen und Erfahrungen sowie mögliche Bezüge zum Zeitgeschehen. Der Buchtitel „Raben unter uns“ spielt auf die enge Beziehung zwischen Mensch und Tier an und verleiht dem Wunsch der Künstlerin Ausdruck, dem Raben und der Natur allgemein wieder mehr Achtung entgegenzubringen.
Herausgeber: IG Halle Rapperswil und KunstAuftrieb Zürich
Text: Judith Annaheim
Verlag: Kerber Berlin
Gestaltung: KunstAuftrieb Zürich
Zweisprachig deutsch / englisch
Freier Eintritt
Kulturnacht Rapperswil-Jona
Samstag, 19. September, 16.00 – 23.00 Uhr
Während der 19. Kulturnacht Rapperswil-Jona stellen wir die neue Publikation Raben unter uns von Regula Syz vor.
Auch das Stadtmuseum, das Kunst(Zeug)Haus, die Alte Fabrik, die Stadtbibliothek, das Zeughausareal sowie die Kinder- und Jugendzentren bieten ein spannendes, kostenloses Programm für Publikum jeden Alters.
Rund ums Kunst(Zeug)Haus sind viele Aktivitäten für Gross und Klein sowie Essen und Trinken zu geniessen.
Freier Eintritt
Atelierbesuch im Morgenland in Winterthur
Sonntag, 27. September, 14.00 – ca. 17.00 Uhr
Bei der Führung und im Gespräch mit Erwin Schatzmann über das Gesamtkunstwerk Morgenland wird Lebenskunst erfahrbar.
Morgenland Off Space in Winterthur Hegi.
30.– inkl. Apéro
Anmeldung unter info@ighalle.ch
Musiksommer am Zürichsee: Klang – Bild – Raum – Zeit
Sonntag, 27. September, 13.00–18.00 Uhr
Morton Feldman (1926–1987): „For Philip Guston“.
Mit: Christoph Bösch, Flöte; Daniel Stalder, Percussion; Jürg Henneberger, Klavier, Celesta (v.li.)
„Das Absolute ist das Ganze.“ Dieser Satz von Georg Wilhelm Friedrich Hegel wird in der Ausstellung VOLLER LEBEN erlebbar. Das Konzert verbindet Ausstellung, Raumerlebnis und Meditation zu einem einzigen Event.
Morton Feldmans „For Philipp Guston“ ist eine Welt für sich, von unerhörten Dimensionen. In diesem Werk wiederholen sich Motive und verändern sich allmählich wie der Lichteinfall im Tagesverlauf.
Dauer: 13.00–18.00 Uhr. Sie können selbst wählen, wann und wie lange Sie vorbeikommen. Sie können zuhören, meditieren, die Ausstellung VOLLER LEBEN der IG Halle besuchen, sich frei bewegen und selbst entscheiden, wie viel Feldman, zeitgenössische Kunst und Perspektivenwechsel Ihnen zusagen.
Ein einmaliges Erlebnis!
Kollekte (Richtpreis 20.–)
Öffentliche Führung
Sonntag, 4. Oktober, 11.30 Uhr
Kurator Guido Baumgartner führt durch die Ausstellung.
20.– inkl. Museumseintritt
Für Mitglieder Gönnerverein IG Halle kostenlos
(Bild Ausstellung MAGIC MATTER, 2025)
Tagesworkshop Wasser Kreis
Sonntag, 25. Oktober, 11.00 – 17.00 Uhr
Für Erwachsene und Kinder ab 7 Jahren (max. 12 Personen)
Dieser Workshop verändert Ihre Beziehung zum Wasser! Die Künstlerin Janeth Berrettini lädt Sie ein, dem Wesen des Wassers Raum zu geben und dabei selbst in Fluss zu kommen. Durch Geste, Geduld und Beobachtung entsteht ein aufmerksamer Dialog mit dem Element. Im Mittelpunkt steht dabei nicht das Ergebnis, sondern das Verhalten von See-, Fluss- oder Regenwasser, welches durch Pigmente und Aquarellpapier sichtbar gemacht wird.
Erwachsene: 80.– inkl. Material
Kinder: 40.– inkl. Material
Anmeldung an info@ighalle.ch
Finissage: Rundgang mit den Kunstschaffenden
Sonntag, 8. November, 11.30 Uhr
Im Gespräch mit den Kunstschaffenden Regula Syz, Susanne Hauser, Martin Reukauf, Janeth Berrettini und Haviva Jacobson führt Kurator Guido Baumgartner durch die Ausstellung. Die Gelegenheit, um die Ausstellung zu sehen, die Künstlerinnen und Künstler zu treffen und persönliche Einblicke in ihr Schaffen zu bekommen.
25.– Eintritt
10.– für Mitglieder Gönnerverein IG Halle
(Bild Ausstellung wild, 2022)
Kunstpädagogik
Die Ausstellung VOLLER LEBEN wird kunstpädagogisch begleitet von artefix kultur und schule.
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