ARS TERMINI
5 Grenzüberschreitungen
25. August – 3. November 2024
Ausstellung der IG Halle im Kunst(Zeug)Haus Rapperswil
Mit Werken von: Maharishikaa Preeti, Roger Eberhard, Beatrice Minda, Kurt Caviezel, Fraenzi Neuhaus
Grenzen sind das Thema dieser IG-Halle-Ausstellung im Obergeschoss des Kunst(Zeug)Haus. Der mythologische römische Gott Terminus, zuständig für Grenzen und Grenzsteine, leiht der Ausstellung seinen Namen. In einem breiten inhaltlichen Spektrum setzen sich die Kunstschaffenden mit Grenzen auseinander. Ihre Medien sind Fotografie, Netzkamera, Installation, Objekt – und ArtBeings.
Naheliegend ist der Gedanke an Landesgrenzen. Doch wie real sind diese Linien, die auf der Landkarte so eindeutig erscheinen? Roger Eberhard fotografiert Orte, an denen sich Grenzen verschoben haben – aufgrund von Eroberungen oder Friedensverträgen, aber auch durch natürliche geologische Veränderungen. Über drei Jahre hinweg hat er solche Orte aufgesucht. Ob eine Strasse in einer chinesischen Stadt, eine Steppe in Südafrika oder eine Sesselliftstation in den Schweizer Alpen – sie alle waren einmal Schauplatz solcher Verschiebungen, von Umbrüchen, Konflikten oder dramatischen Schicksalen. Diese Ereignisse, von den Fotografien verschwiegen, sind in dem Buch Human Territoriality, erschienen 2020 in der Edition Patrick Frey, auch in Textform festgehalten. Das Wissen, dass sich durch die Bilder eine unsichtbare Linie zieht, verändert den Blick darauf und lässt den Anspruch auf Territorien willkürlich und künstlich erscheinen.
Subtile Grenzgängerin
Sehr reale Grenzen hingegen hat Beatrice Minda bei ihrer fotografischen Erkundung im Iran angetroffen. In ihrer Arbeit Iran. Interrupted, ebenfalls in Buchform publiziert, gelingt es ihr, die Grenze zwischen öffentlichem Aussenraum und privatem Innenraum zu überschreiten, die in der iranischen Tradition besonders radikal gestaltet wurde. Die Aufnahmen zeigen Innenhöfe, private Räume sowie architektonische Details, die viel über Geschichte und Kultur offenbaren. Zwar sind keine Menschen auf den Bildern, dennoch handelt es sich um gelebte Räume voller sichtbarer Zeit. Es begegnen sich traditionelle Wohnformen und westlich beeinflusste Vorstellungen ebenso wie städtische Architektur und Nomadenzelte. Die Bilder sind von einem subjektiv poetischen Blick geprägt, der die Vergänglichkeit und den Wandel einfängt. Beatrice Minda scheint auf Grenzen zu wandern: zwischen den Zeiten, zwischen den Kulturen.
Vernetzt oder gefangen?
Dieser besondere Fokus auf Innenräume findet ein Echo in der Installation von Fraenzi Neuhaus. Eigens für diese Ausstellung baut die Solothurner Künstlerin einen Tunnel auf, dessen Inneres eine Grenz-Erfahrung vermittelt: Mit dem engen Durchgang und der stacheligen Oberflächerückt sie den Besuchern auf den Leib. Bekannt für ihre Arbeiten mit naturwissenschaftlichem Hintergrund, bringt sie auch hier das Thema des Netzwerks ins Spiel, das alles durchdringt – von der Pflanzenwelt über Nervenverbindungen bis zu sozialen Strukturen und schliesslich digitalen Kommunikationsnetzen. Ihre Installation besteht entsprechend aus Ground Pipes, den biegsamen Kunststoffrohren, in denen normalerweise Glasfasern verlegt werden. Tausende von Kabelbindern halten das Geflecht zusammen und bilden Knotenpunkte. Wann wird Stabilität zu Starrheit, Schutz zu Enge? Eine Gratwanderung.
Grenzwertige Kunst
Dass wir alle längst im Netz gigantischer Datensammlungen eingefangen sind, führt der Live Stream vor Augen, der Bilder aus der ganzen Welt in den Ausstellungsraum projiziert. Die Aufnahmen stammen aus Webcams und Überwachungskameras. Kurt Caviezel nutzt diese seit über 20 Jahren als künstlerisches Medium. Viele dieser Kameras sind öffentlich und überraschend einfach zugänglich. In der persönlichen Auswahl aus dem endlosen Strom von Bildern werden die Aufnahmen zu Reflexionen, zu absurden, humorvollen oder poetischen Konstellationen. Doch wem gehören diese Bilder und Daten? Ist diese Arbeit grenzwertig? Oder haben die Kamerabetreiber verpasst, die Grenzen für die Nutzung des Materials verantwortungsvoll zu setzen? Aus diesem Langzeitprojekt ist eine Zusammenarbeit mit der Winterthurer Hochschule ZHAW entstanden. Die Live Bildmaschine Watching the World ist öffentlich zugänglich.
Vom Objekt zum Talisman
Aus der in vieler Hinsicht grenzenlosen Welt des Internets holt Maharishikaa Preeti die Besucher ins Hier und Jetzt zurück. Ihre grossformatige Talisman-Skulptur mit einem Spiegel in der Mitte lädt zur Selbstreflexion ein. Das eigene Spiegelbild wird dabei von sechs konzentrischen Kreisen eingefasst, die je einen Bereich des menschlichen Bewusstseins verkörpern. Indem sie als Konzeptkünstlerin und Mystikerin konsequent den Fokus vom Objekt auf den Menschen verschiebt, dehnt Maharishikaa Preeti zudem die Grenzen des vorherrschenden Kunstbegriffs. Mit ihren ArtBeings bringt sie die Idee des lebenden Kunstwerks ins Spiel, das auf seiner Reise zur vollkommenen „Skulptur“ die Grenzen der Wahrnehmung sprengt. Während sie einerseits ihre Arbeit als den Ausläufer der immateriellen Kunst versteht, offenbart Maharishikaa Preeti gleichzeitig die Kraft, die einem materiellen Objekt innewohnt – im Objekt PreetiMirror, das als Werkzeug der Transformation von ArtBeings und solchen, die es werden wollen, eingesetzt wird.
Aktivitäten und Austausch
Gelegenheiten, die Künstlerinnen und Künstler zu treffen, bieten sich an der Eröffnung, bei der auch die Kindervernissage mit artefix kultur und schule stattfindet, sowie bei einem geführten Rundgang an der Finissage. Wer gerne selbst mal zum Zeichenstift greifen will, kann sich in einem Workshop für Erwachsene unter der Anleitung der Künstlerin Tatiana Witte auf eine Entdeckungsreise einlassen – ganz ohne Vorkenntnisse. Ausserdem beteiligt sich die IG Halle an der Kulturnacht Rapperswil, die dieses Jahr unter dem Begriff Verbinden läuft und somit bestens das Thema Grenzen aufnimmt.
Vernissagerede vom 25. August 2024 als pdf
Kurator: Guido Baumgartner
Text: Judith Annaheim / IG Halle
Diese Ausstellung wird realisiert mit freundlicher Unterstützung von:
Kanton St.Gallen Kulturförderung / Swisslos
Stadt Rapperswil-Jona
Asuera Stiftung
Ernst Göhner Stiftung
Gönnerverein IG Halle | artefix Kultur und Schule
Ortsgemeinde Rapperswil-Jona
Susanne und Martin Knechtli-Kradolfer-Stiftung
Hostpoint

Anlässe in der Ausstellung ARS TERMINI
Vernissage
Sonntag, 25. August, 11.30 Uhr
Einführung: Guido Baumgartner, Co-Präsident und Kurator IG Halle
Freier Eintritt mit anschliessendem Apéro
Kindervernissage mit artefix
Sonntag, 25. August, 11.30 Uhr
Für Kinder von 5–15 Jahren. Wir begeben uns auf eine Entdeckungstour durch die neue Ausstellung ARS TERMINI und setzen diese Kunstbegegnung im Atelier in ein eigenes Werk um.
Mit artefix kultur und schule.
Kostenlos. Keine Anmeldung erforderlich. Treffpunkt um 11.30 Uhr beim Eingang des Kunst(Zeug)Haus.
Die Kindervernissage findet parallel zur öffentlichen Vernissage für Erwachsene statt. Die Kinder besuchen die Kindervernissage ohne Begleitung von Erwachsenen. Die Kinder können von 12.30 bis 13.00 Uhr im Atelier des Kunst(Zeug)Haus abgeholt werden (Tor 13 im Osten des Gebäudes).
Kulturnacht Rapperswil-Jona
Samstag, 7. September
Grenzen überschreiten – Verbindungen entdecken
„Verbunden“ ist das Motto der 17. Kulturnacht in Rapperswil-Jona.
Das passt bestens zu unserer Ausstellung ARS TERMINI – 5 Grenzüberschreitungen. Wo Grenzen sind, gibt es auch Verbindungen. Oder versuchte Verbindungen. Oder geheime Verbindungen.
Entdecken Sie selbst: Alle Ausstellungen im Kunst(Zeug)Haus sind diesen Samstag bis 22 Uhr geöffnet.
Die IG Halle bietet:
19.00 – 21.00 Uhr: Begegnungen mit ArtBeings der Konzeptkünstlerin und Mystikerin Maharishikaa Preeti
20.00 Uhr: Rundgang durch die Ausstellung ARS TERMINI mit Kurator Guido Baumgartner
Im und ums Kunst(Zeug)Haus erwartet Sie Musik, Kunst, Literatur sowie ein multikulturelles kulinarisches Angebot. Von 16 bis 23 Uhr bieten das Kunst(Zeug)Haus, das Stadtmuseum, die Alte Fabrik, die Stadtbibliothek und das Zeughausareal sowie die Kinder- und Jugendzentren ein spannendes, kostenloses Programm für Publikum jeden Alters.
Freier Eintritt
Öffentliche Führung und ArtBeing-Präsenz
Sonntag, 22. September
14.45 bis 16.30 Uhr: Maharishikaa Preeti's ArtBeing XX ist anwesend.
15.00 Uhr: Kurator Guido Baumgartner führt durch die Ausstellung und gibt grenzerweiternde Einblicke in die Werke.
Im Museumseintritt inbegriffen.
Tanz-Performance
Freitag, 18. Oktober, 17.30 Uhr
Tanzend Grenzen überschreiten
Karin Minger antwortet mit einer Tanz-Performance auf die Installation von Fraenzi Neuhaus.
Eigens für die Ausstellung ARS TERMINI hat Fraenzi Neuhaus eine grosse begehbare Skulptur geschaffen. Nun lädt sie die Tänzerin Karin Minger ein, sich über Bewegung mit der komplexen Struktur der Installation auseinanderzusetzen.
Sie wird musikalisch begleitet von Wolfgang Zwiauer, Mandocello.
Kollekte für die Tänzerin und den Musiker.
Tanz-Performance
Sonntag, 20. Oktober, 14.00 Uhr
Tanzend Grenzen überschreiten
Karin Minger antwortet mit einer Tanz-Performance auf die Installation von Fraenzi Neuhaus.
Eigens für die Ausstellung ARS TERMINI hat Fraenzi Neuhaus eine grosse begehbare Skulptur geschaffen. Nun lädt sie die Tänzerin Karin Minger ein, sich über Bewegung mit der komplexen Struktur der Installation auseinanderzusetzen.
Sie wird musikalisch begleitet von Gabrielle Brunner, Geige.
Kollekte für die Tänzerin und die Musikerin.
Grenz-Gespräch mit Nicolas Lindt, ArtBeing XX und Andrea Pfeifer
Sonntag, 27. Oktober, 11.30 Uhr
Ein herausforderndes Grenz-Gespräch mit Andrea Pfeifer, Nicolas Lindt und ArtBeing XX
ARS TERMINI – 5 Grenzüberschreitungen: Wer die aktuelle Ausstellung der IG Halle Rapperswil besucht, mag auf das Phänomen stossen, dass man Grenzen oft nicht sieht, weil man sich auf der einen oder anderen Seite befindet. Erst wenn man einen ungewohnten Schritt tut, macht sich die Grenze bemerkbar, zuerst vielleicht schmerzhaft, dann oft befreiend.
Andrea Pfeifer, auch bekannt als Yoki, spricht aus ihrer Nahtoderfahrung über diese eine Grenze, die uns alle erwartet. Die freischaffende Musikerin verleiht zudem gesellschaftspolitischen Themen Wort und Klang. Mit ihrer Band Alva Lün erkundet sie Sphären jenseits der vertrauten Realität.
Auch Nicolas Lindt befasst sich mit Grenzen: Er gestaltet Rituale für Übergänge im Leben, für Trauungen, Taufen und Abdankungen. Als Schriftsteller schreibt er wahre Geschichten, die dazu herausfordern, kulturelle, ideologische und persönliche Grenzen zu sprengen.
ArtBeing XX hingegen berichtet aus der Erfahrung, als lebendes Kunstwerk von der Künstlerin und Mystikerin Maharishikaa Preeti „gemeisselt“ zu werden und dabei die Grenzen der Wahrnehmung zu erweitern.
Gesprächsleitung: Guido Baumgartner
Weitere Infos als pdf
Eintritt: CHF 25.–
Algol – Tragödie der Macht
Montag, 28. Oktober
18.30 Uhr: Vor dem Konzert liest der Schweizer Schriftsteller und Drehbuchautor Charles Lewinsky aus seinem work in progress Andere Geschichten.
20.00 Uhr: Kurzeinführung in die Ausstellung ARS TERMINI, Guido Baumgartner, Kurator der Ausstellung
20.20 Uhr: Tom Arthurs (Trompete), Marta Zapparoli (Electronics), Michael Cina (Percussion), Institute of Incoherent Cinematography, Pablo Assandri
Ein Stummfilm aus dem Jahr 1920 mit improvisierter Musik von heute, inmitten der Ausstellung ARS TERMINI mit zeitgenössischer Kunst. Der komplexe Schlusspunkt des Musiksommers am Zürichsee 2024. Hans Werckmeisters grossartiger, erst vor kurzem restaurierter Film trifft auf die subtile Kunst des Jazztrompeters Tom Arthurs und die Ausstellung der IG Halle im Kunst(Zeug)Haus Rapperswil, die sich um den Begriff ARS TERMINI dreht: Die Kunst, auch die Absurdität von Grenzen. Grenzerfahrungen, auch Grenzüberschreitungen in visuellen, auditiven und kinematografischen Dimensionen gehen in diesem Konzert ineinander über. Die Zusammenarbeit mit dem Institute of Incoherent Cinematography ist eine spannende Premiere.
Eintritt: CHF 30.–
Abendkasse oder Vorverkauf: https://www.seetickets.com/ch/event/algol-tragodie-der-macht/kunstzeughaus/2974107
Kunst & Stift
Mittwoch, 30. Oktober, 18.30–20.30 Uhr
Juckt es Sie nicht manchmal in den Fingern, wenn Sie Kunstwerke betrachten?
Genau dafür gibt es Kunst & Stift: Ein Workshop für Erwachsene, in dem Sie selbst mit dem Zeichenstift aktiv werden dürfen. Und das ganz ohne Vorkenntnisse. Nehmen Sie bitte einfach etwas Gwunder mit, und dann lassen Sie sich unter der Anleitung der Künstlerin Tatiana Witte auf eine Entdeckungsreise ein.
Zur Einstimmung gibt es eine Kurzführung durch die Ausstellung ARS TERMINI mit Kurator Guido Baumgartner.
Anmeldung bis 28.10.2024 an info@kunstzeughaus.ch
Kosten: CHF 25.– (für Mitglieder Freundeskreis und mit Kulturlegi: CHF 15.–)
Finissage-Rundgang mit Kunstschaffenden und Kunstwerken
Sonntag, 3. November, 11.30 Uhr
Kunstschaffende und Kunstwerke im Gespräch mit Kurator Guido Baumgartner. Die Gelegenheit, um die Ausstellung zu sehen, die KünstlerInnen und lebenden Kunstwerke zu treffen und persönliche Einblicke in ihr Schaffen und ihre Erfahrungen zu bekommen.
Eintritt CHF 20.–
Kommentare (0)